Seit wir uns alle (ich zumindest) zuhause der gesellschaftlichen Stabilität und der globalen Gesundheit zuliebe selbst eingeschlossen haben, ist meine Energie tot. Und ich kann nun endlich darüber reden.

Ein Loch hat sich in meine Energie gefressen. Ich weiß nicht, wie es kam, ob es sich langsam in mein Leben reingeschlichen hat, oder ob es mit großem Knall in einer pervers stressigen Woche voll von Prüfungen und Hausarbeiten am Anfang der Quarantäne geschah. Was ich weiß: Seit es passierte, scheint es als ob mein gesamtes Dasein in den Zuschauermodus geschaltet ist.

aller bemühungen zum trotz

Und das, obwohl ich mich eigentlich glücklich schätzen kann, Teil von unfassbar flexiblen und kreativen Organisationen zu sein. Sie haben mehrtägige Online-Kongresse veranstaltet, digitale Politische Arbeitsgruppen abgehalten, auflockernde Gruppenabende organisiert oder pumpen Webinar nach Webinar den diversesten Content raus. Selbst meine aktivistischen Kerngruppen halten zusammen und doch sind 2 Stunden am Stück scheinbar meine Aufmerksamkeitsobergrenze. Auch bei digitalem Klimastreik, Tag der Befreiung, oder Europatag. In meiner kleinen Zimmerkapsel wurde der Kalender eines der letzten Dinge, denen ich Beachtung schenke.

anlass wäre da

Und dabei präsentiert sich jedes Mal beim Öffnen irgendwelcher Newsfeeds ein neuer Anlass, um zu versuchen, Menschenwürde, Humanität, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit, und eine nachhaltige Zukunft dieses Planeten zu retten. Fataler Abriss von Menschenrechten in Ungarn und Polen, faschistische Verschwörungsideolog*innen auf der ganzen Welt verteilt, oder eine kapitalismusmaximistische Restaurationspolitik mögen vielleicht in ihrer Ernsthaftigkeit nicht gleichzusetzen zu sein, aber sind drei Beispiele für Themen, für die ich normalerweise auf die Straße rennen oder die Chatbox meiner Freund*innen zuspammen würde.

also nun

Es scheint also als ob sämtliche Energie die ich aufwenden könnte um produktiv zu arbeiten immer irgendwo auf dem Weg zwischen meinem Herz, meinem Hirn, und meinen Fingern gestoppt wird. Ich spüre gewissermaßen keinen Anreiz mehr, nicht einmal apathische Überfülle oder geistige Abwesenheit. Und das ist eine Haltung von Unbetroffenheit, die mir in meinem Leben neu ist. Es ist eine, die ich mir nur damit erklären kann, dass ich für mein aktiv-statt-passiv-Sein meine Mitmenschen, meine Freund*innen, in Person vor mir und mit mir brauche. Eine, die mir ziemlich deutlich macht, dass zehntausend Jitsikonferenzen keinen zufälligen Tag von menschlicher Begegnung und Austausch wettmachen kann.

Bis das wieder geschieht, bin ich dankbar für all diejenigen, die trotz dieser Umstände den Struggle für Frieden und Gerechtigkeit aufrechterhalten und weitertragen. Die es schaffen, sich weiter gegenseitig zu tragen, und sich für all diejenigen einsetzen, die von den aktuellen Krisen stimmlos zermalmt werden. Und hoffe, dass unsere Hirne bald wieder zusammen in Gruppenräumen schmoren und auf den Straßen beben können. Alla.



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