Die 3 Sorten von Messengerdiensten einfach erklärt.

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Nach der Ankündigung von WhatsApp, eine verpflichtende Zustimmung für neue Nutzungsbedingungen einzuholen, sind im letzten Monat Tausende von Nutzer:innen zu anderen Messengern migriert. Aber zu welchen? Schließlich kann, wenn dir deine Daten lieb sind, ein Wechsel zu z.B. Telegram ein Schuss ins Knie sein. Innerhalb der Szene von Datenschutzenthusiasten gibt es nun zwar dutzende Diskussionen und Blogs, welcher Messengerdienst weshalb besser sei – aber ich habe bisher keinen Artikel gefunden, der die Struktur der bestehenden Messenger einfach und verständlich erklärt. Dieser Artikel versucht diese Lücke zu schließen.

Es gibt drei Messengerarchitekturen, nach denen Instant-Messengerdienste strukturiert sind:

  1. Zentralisierte Messenger
  2. Föderierte Messenger
  3. Direkte Peer-to-Peer Messenger
Grafik, die die 3 Messengerarchitekturen visuell veranschaulicht.
CC-BY-SA 4.0 thilobuchholz.eu, basierend auf CC-BY-SA 4.0 niboe.info.
SVG-Datei verfügbar.

Zentralisierte Messenger

Zu den Zentralisierten Messengern gehören z.B. WhatsApp, Signal, Telegram, Threema, Facebook Messenger, Instagram, oder Snapchat: Für sie alle gilt dass es einen Anbieter, und eine App für den Dienst gibt. Alle, die auf der Plattform miteinander kommunizieren tun das über die Server der Anbieter. Dabei sind die Dienste natürlich trotzdem noch unterschiedlich: Manche (z.B. Discord oder Instagram) sind vollständig unverschlüsselt – das bedeutet, dass der Anbieter alle Nachrichten die du schreibst lesen und verwenden kann. Manche (z.B. Telegram oder Signal) veröffentlichen den Quellcode der App – das bedeutet, dass alle sehen und überprüfen können, was die App auf deinem Handy macht. Manche sammeln mehr Metadaten (z.B. die Daten mit wem, wie lange, wo du kommunizierst), und manche weniger, usw.

Bei den Zentralisierten Messengern gibt es aber trotzdem sehr datenschutzfreundliche Messenger. Am bekanntesten davon sind Threema und Signal, weniger bekannte datenschutzfreundliche Messenger sind z.B. Wire und Wickr. Aber wenn einer dieser Dienste eine Funktion in seine App einbaut, die dir nicht gefällt, hast du Pech. Alle diese Messenger sind an die App und den Anbieter gebunden: Du musst die App des Anbieters benutzen, oder anders kannst du die Menschen auf diesem Messenger nicht anschreiben.

Föderierte Messenger

Föderierte Messenger bauen auf einem vollständig offenen Protokoll auf (ein Protokoll ist sozusagen die Sprache des Messengers). Die beiden föderierten Chatprotokolle die grundsätzlich verwendet werden sind XMPP und Matrix. Ihre Funktionsweise lässt sich mit E-Mails vergleichen: Du kannst ein Chatkonto auf irgendeinem Server anlegen den du magst (oder deinen eigenen betreiben), und mit Chatkonten auf allen anderen Servern schreiben. Bei den Föderierten Messengerdiensten kannst du auch frei wählen, welche Apps (Clients) du verwenden willst um mit deinen Kontakten zu schreiben, oder auch einfach durch deinen Internetbrowser auf deinen Matrix oder XMPP Account zugreifen.

In E-Mail-Sprache

Die Kommunikation zwischen den Servern funktioniert so wie das Senden einer E-Mail von einem Gmail-Konto an das Yahoo-Konto eine:r Freund:in. Es gibt keine Begrenzungen wie oder mit wem du kommunizieren kannst – und wenn dir Gmail nicht mehr gefällt, kannst du dir einfach eine neue E-Mail-Adresse woanders anlegen und deine:r Freund:in von deiner neuen Adresse aus schreiben.

Auch die Freiheit, verschiedene Apps zu benutzen ist wie bei E-Mails: Bei diesen kannst du ja auch mit bspw. der Gmail-App, oder mit Outlook, oder der iPhone Mail-Anwendung, oder Mozilla Thunderbird etc. pp. deine Mails checken. Egal wo dein E-Mail-Konto angelegt ist.

Ob nun XMPP oder Matrix das bessere Protokoll (“die bessere Sprache“) ist, darüber streiten sich einige. Persönlich denke ich, dass XMPP das überlegene Protokoll ist, wobei man sich als neue:r Benutzer:in vielleicht einfacher an Matrix als an XMPP gewöhnen kann.

Direkte Peer-to-Peer Messenger

Direkte Messenger (auch ‘serverlose Messenger’, ‘dezentrale Messenger’, ‘verteilte Messenger’ oder ‘Peer-to-Peer Messenger’ genannt) brauchen überhaupt keine Server, sondern bauen nur auf einem vollständig offenen und vollständig verteilten Protokoll auf. Briar, Jami, Tox, und RetroShare sind die bekanntesten Beispiele dieser Messengerdienste. Unter den drei Messengerarchitekturen bieten Direkte Messenger die größte Anonymität und Sicherheit deiner Daten. Im Gegenzug dafür bedeutet das auch, dass du Kontakte immer manuell hinzufügen musst. Da deine Identität geschützt ist, kannst du ja auch nicht einfach per Telefonnummer identifiziert werden.

Für diese Messenger spricht jedoch, dass sie nicht wirklich scheitern können: Es gibt keine Server, die unerwartet offline sein könnten, und du musst dein Vertrauen nicht in die Verfügbarkeit von irgendwelchen einzelnen Anbietern setzen. Durch diese Unabhängigkeit wirst du immer deine Kontakte benachrichtigen können – in manchen Fällen sogar ohne Internetverbindung. Allerdings unterstützen nicht alle Direkten Messengerdienste Sprach- oder Videoanrufe.

An die Arbeit!

Freund:innen lassen Freund:innen nicht WhatsApp oder Telegram benutzen! Hierunter findest du eine Leseliste mit mehr Materialien zum Stöbern und Informieren, und Links zum Durchstarten. Wenn du Englisch sprichst und noch mehr wissen willst, empfehle ich auch einen Blick in das ‘Further reading’ der englischsprachigen Version dieses Artikels. 

Hast du jetzt noch Fragen? Willst du das Chatten auf den Föderierten oder Direkten Messengern ausprobieren? Brauchst du Hilfe dabei, einen Anbieterserver auszusuchen oder die ersten Schritte zu gehen? Schreib mich gerne an!

Leseliste

Clients (Apps) für XMPP

Beispielclients: Gajim, Conversations, Quicksy, Siskin, ChatSecure, Dino, …
Mehr Informationen über das XMPP-Protokoll kannst du hier finden.
Auf dieser Liste findest du mehr Clients, auf dieser Liste eine Auswahl von Servern. 

Clients (Apps) für Matrix

Beispielclients: Element, SchildiChat, ditto, NeoChat, FluffyChat, …
Mehr Informationen über das Matrix-Protokoll kannst du hier finden.
Auf dieser Liste findest du mehr Clients, auf dieser Liste eine Auswahl von Servern.

2 thoughts on “Die 3 Sorten von Messengerdiensten einfach erklärt.

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